Supplemente nach OP

Wichtig ist, dass alle Patienten nach einer bariatrischen Operation lebenslang an einem Adipositaszentrum nachkontrolliert werden müssen. Dabei spielt die regelmässige Kontrolle Deines Ernährungszustandes – also die Spiegel der sogenannten Makro- und Mikronährstoffe in Deinem Blut – eine wichtige Rolle.

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Welche Untersuchungen bei Dir im Zuge dieser Nachsorge wie oft und wann nötig sind und welche Nahrungsergänzungsmittel (sog. Supplemente) Du in welcher Dosierung zu Dir nehmen solltest, hängt dabei vor allem vom operativen Verfahren ab, das bei Dir durchgeführt worden ist. Man bezeichnet diese Form der Nachsorge übrigens als Supplementieren, Supplementation oder Supplementierung (von lateinisch supplere: ergänzen, ersetzen).
Grundsätzlich gilt, dass sich Deine Nahrungsmenge nach einem adipositaschirurgischen Eingriff so stark vermindert, dass Du die sogenannten Makro- und Mikronährstoffe nicht mehr in ausreichendem Umfang aufnehmen kannst. Insbesondere nach den Magenbypassverfahren kommt es durch die veränderte Nahrungspassage zu Veränderungen in der Nährstoffaufnahme, die eine lebenslange Supplementation erfordern, um einem Vitaminmangel oder einem Proteinmangel vorzubeugen.

Im Folgenden gehen wir deshalb auf die wichtigsten Nährstoffe ein und richten uns dabei nach den aktuellen S3-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV):

  1. Protein: Nach einer bariatrischen Operation kommt ein Eiweissmangel relativ häufig vor, vor allem, wenn keine entsprechende Substitution erfolgt. Im Fachjargon sprechen wir von einer „Hypoproteinämie“. Eine ausreichende Zufuhr an Protein ist nicht nur für den Erhalt Deiner Muskelmasse, sondern auch für ein gut funktionierende Immunsystem wichtig. Zu den ersten Zeichen eines Eiweissmangels gehören Haarausfall, brüchige Nägel oder eine Wasseransammlung in den Beinen (sog. Ödeme). Nach einem bariatrischen Eingriff wird empfohlen, mindestens 60 g Eiweiss pro Tag zu Dir zu nehmen. Je malabsorptiver und aggressiver der Eingriff ist, der bei Dir durchgeführt wurde (z. B. eine biliopankreatische Diversion, BPD-DS), desto höher sollte die Eiweissmenge sein, die Du pro Tag konsumierst. Klassische Eiweissquellen in der Nahrung sind Fleisch, Milchprodukte, Eier, Fisch und Soja-Produkte.
  1. Eisen: Eisen wird in Deinem Dünndarm aufgenommen. Ein Eisenmangel mit Blutarmut (sog. Anämie) ist deshalb bei den sog. Magenbypassverfahren recht häufig und kommt in 20 bis 39 % der Patienten vor. Auch hier gilt: Je malabsorptiver und aggressiver das Verfahren, desto grösser ist das Risiko eines Eisenmangels. Aktuell empfehlen die Leitlinien die Einnahme von 45–60 mg elementarem Eisen pro Tag in Form von Eisensulfat, -fumarat oder -glukonat. Bei menstruierenden Frauen liegt die empfohlene Dosis bei 50–100 mg pro Tag. Liegt bereits eine Anämie durch Eisenmangel vor, sind 100–200 mg Eisen pro Tag erforderlich.
  1. Vitamin B12: Ein Vitamin-B12-Mangel ist sehr häufig und kann in bis zu jedem dritten Patienten nach einer bariatrischen Operation beobachtet werden (Brolin et al. 2002). Empfohlen wird deshalb eine tägliche Einnahme von 1000 µg Vitamin B12 als Tablette. Leider wird Vitamin B12 nur zu einem geringen Anteil über Deinen Darm aufgenommen (nur 1–5 %), sodass die meisten Experten eine intramuskuläre Injektion von 1000–3000 µg Vitamin B12 alle 3 bis 6 Monate empfehlen.
  1. Folsäure: Viele unserer Patienten haben bereits vor einem bariatrischen Eingriff einen Folsäuremangel. Dies ist in der Regel auf eine Ernährung mit wenig Gemüse und Salat zurückzuführen. Nach einer bariatrischen Operation wird deshalb das Supplementieren mittels Multivitamin-Mineralstoff-Präparat mit 600 µg Folsäure pro Tag empfohlen.
  1. Vitamin B1: Ein Vitamin-B1-Mangel wird bei etwa 18 % der Patienten nach einer bariatrischen Operation beobachtet. Insbesondere bei starkem und wiederholtem Erbrechen (z. B. infolge einer übermässigen Alkoholzufuhr) kann es zu relevanten Mangelerscheinungen mit neurologischen Symptomen kommen. Im Extremfall kommt es dann zur lebensgefährlichen „Wernicke-Enzephalopathie“. In diesen Fällen wird die Einnahme von 500 bis 100 mg Vitamin B1 in absteigender Dosierung empfohlen.
  1. Vitamin D und Kalzium: Vitamin D und Kalzium werden an unterschiedlichen Stellen des Dünndarms aufgenommen, sodass Mangelzustände vor allem nach den Magenbypassverfahren auftreten können. Zu den klassischen Symptomen eines Vitamin-D-Mangels zählt die Osteoporose. Dabei handelt es sich um eine reduzierte Festigkeit Deiner Knochen, was möglicherweise mit einem erhöhten Risiko von Knochenbrüchen und Frakturen verbunden ist. In etwa zwei von drei Patienten kann nach einem adipositaschirurgischen Eingriff ein Vitamin-D-Mangel nachgewiesen werden. Vorbeugend wird deshalb eine Supplementation von mindestens 3000 Einheiten Vitamin D (Cholecalciferol) pro Tag empfohlen. Häufig geht ein Vitamin-D-Mangel mit einem gleichzeitigen Kalziummangel einher. Insbesondere, weil einige Patienten direkt nach der Operation keine Milchprodukte mehr vertragen. Vorbeugend wird deshalb die Einnahme von 1000–2000 mg Kalzium pro Tag (als Kalzium-Zitrat) empfohlen, was durch die Einnahme entsprechender Kalzium-Brausetabletten für gewöhnlich problemlos möglich ist.
  1. Vitamine A, E und K: Bei diesen Vitaminen handelt es sich um die sogenannten fettlöslichen Vitamine. Auch sie treten bei den sogenannten Magenbypassverfahren häufiger auf. Zur Vorbeugung eines Vitamin-A-Mangels wird die Einnahme von 5000–10000 Einheiten pro Tag empfohlen. Vitamin-E- und -K-Mangel tritt sehr selten auf, sodass hier keine allgemeingültigen Empfehlungen existieren.
  1. Zink, Kupfer, Selen: Je malabsorptiver das Verfahren ist, das bei Dir angewandt worden ist, desto wahrscheinlicher ist die Entstehung eines Zinkmangels. Nach einer biliopankreatischen Diversion (BPD-DS) kann dieser zum Beispiel in über 90 % der Fälle nachgewiesen werden. Dann ist eine Supplementierung mit 8–15 mg Zink pro Tag erforderlich. Eine Überwachung des Kupferspiegels in Deinem Blut ist unter normalen Umständen nicht erforderlich, solange eine Supplementierung mit 2 mg pro Tag erfolgt. Dies ist kein Problem, solange Du Dein Multivitaminpräparat, das Dir Dein Adipositaszentrum verschrieben hat, täglich einnimmst. Ähnlich verhält es sich mit Selen, das in den üblichen Präparaten zum Supplementieren in ausreichender Menge vorhanden ist.
  1. Magnesium: Neben Vitamin D begünstigt auch ein Magnesium-Mangel die Entstehung einer verminderten Knochenfestigkeit, der sogenannten Osteoporose. Magnesium sollte als Tablette als Magnesium-Zitrat mit 300 mg pro Tag eingenommen werden.

Die folgende Auflistung fasst die wichtigsten Dosierungen für eine vorbeugende Supplementierung nach einer bariatrischen Operation für Dich zusammen:

  • Protein
    SG und proximaler RYGB:
    > 60 g/Tag
    BPD-DS:
    > 90 g/Tag
  • Folsäure
    SG:
    MVM-Präparat 2x/Tag
    proximaler RYGB und BPD-DS:
    600 µg/Tag
  • Vitamin B1
    In allen Fällen:
    MVM-Präparat 2x/Tag, keine Dosis-Empfehlung
  • Vitamin B12
    In allen Fällen:
    oral: 1000 µg/Tag
    intramuskuläre Injektion: 1000–3000 µg/Tag alle 3 bis 6 Monate
  • Vitamin A
    SG und proximaler RYGB:
    MVM-Präparat 2x/Tag
    BPD-DS:
    1–2×25000 IU/Tag
  • Vitamin D
    In allen Fällen:
    mind. 3000 IU/Tag (Ziel: Serumkonzentration > 30 ng/ml)
  • Vitamin E, K
    In allen Fällen:
    MVM-Präparat 2x/Tag, keine Dosisempfehlung
  • Kalzium-Zitrat
    In allen Fällen:
    1200–1500 mg/Tag
  • Eisen als Sulfat, Fumarat, Glukonat
    SG:
    MVM-Präparat 2x/Tag
    proximaler RYGB:
    50 mg Tag
    BPD-DS:
    2×100 mg/Tag
  • Magnesium-Zitrat
    In allen Fällen:
    200 mg/Tag
  • Zink als Glukonat, Sulfat, Azetat
    SG und proximaler RYGB:
    MVM-Präparat 2x/Tag
    BPD-DS:
    8–15 mg/Tag
  • Kupfer als Glukonat, Oxid, Sulfat/Selen als Natriumselenit
    SG:
    Keine Empfehlung
    proximaler RYGB und BPD-DS:
    MVM-Präparat 2xTag mit 2 mg/Tag Kupfer

Abkürzungen:
MVM-Präparat = Multivitamin-Mineralstoff-Präparat
SG = Schlauchmagen
pRYGB = proximaler Roux-en-Y-Magenbypass
BPD-DS = Biliopankreatische Diversion mit Duodenal-Switch

Quelle: „Adipositas Zürich“