Erkrankungen im Analkanal nach bariatrischen Operationen

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Adipositas Zürich möchte euch ausführlich über alle Vor- und Nachteile bariatrischer Operationen informieren. Insbesondere auch zu Themen, von denen ihr eher selten gehört habt bzw. über die auch nicht oft in den sozialen Netzwerken gesprochen wird. Dr. Georg Liesch wird deshalb die häufigsten Krankheitsbilder in diesem Zusammenhang vorstellen und aufzeigen, welche nicht-operativen und operativen Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Einführung

Schmerzhafte Erkrankungen im Analkanal sind ein häufiges Problem nach bariatrischen Eingriffen, werden jedoch oft aus falschverstandenem „Schamgefühl” gar nicht erst angesprochen!

Während der herkömmliche sogenannte proximale Roux-en-Y-Magenbypass eher zur Verstopfung mit entsprechend hartem Stuhlgang führt, sind die aggressiveren Operationstechniken, wie der distale Magenbypass oder die Biliopankreatische Diversion, mit oder ohne Duodenal-Switch, in aller Regel von mehrfachem Stuhlgang am Tag und Durchfällen begleitet.

In beiden Fällen kann es zu lokalen Veränderungen am After und Analkanal kommen, die nicht nur sehr unangenehm, sondern sogar sehr schmerzhaft sein können.

Faktoren, die zu einer Verstopfung führen können:

  • Ballaststoff-Mangel in der Nahrung
  • ungenügende Flüssigkeitszufuhr
  • zu wenig körperliche Aktivität
  • Medikamenteneinnahme (z. B. Schmerzmittel, Antidepressiva, manche Magensäurehemmer, Eisenpräparate, Blutdruckmedikamente und mehr)
  • Ignorieren des Stuhldrangs

Häufige oder ständige Verstopfungen können dabei zu verschiedenen Krankheitsbildern führen:

  1. Vergrösserte Hämorrhoiden
  2. Analfissur
  3. Perianalvenenthrombose

Vergrösserte Hämorrhoiden

Das Vorhandensein von Hämorrhoiden ist ein normaler Befund, der zur Anatomie jedes Menschen gehört.

Hämorrhoiden werden häufig auch als „innere Hämorrhoiden“ bezeichnet, in Abgrenzung zu sog. „äusseren Hämorrhoiden“, die in der Regel eine Venen-Thrombose im Afterbereich darstellen und mit den eigentlichen Hämorrhoiden nicht in Zusammenhang stehen.

Hämorrhoiden bilden eine Art Schwellkörper, der gemeinsam mit den Schliessmuskeln einen wesentlichen Beitrag zur Feinkontinenz, dem dichten Abschluss des Afters, leistet.

Hämorrhoiden erhalten dann einen Krankheitswert, wenn sie vergrössert sind und Beschwerden verursachen oder Ursache für Blutungen aus dem After sind.
Die krankhafte Vergrösserung der Hämorrhoiden kann man in Stadien einteilen, an denen sich auch die unterschiedlichen Therapieformen orientieren.

Solltet ihr eines oder mehrere der folgenden Symptome verspüren, leidet ihr eventuell an Hämorrhoiden. In diesem Fall ist es ratsam, wenn ihr euch beim proktologischen Fachpersonal vorstellt.

Hämorrhoiden-Leiden Symptome:

  • Jucken oder Brennen; häufig nach dem Stuhlgang
  • Nässen/ Wundgefühl.
  • Schmerzen; besonders beim oder nach dem Stuhlgang
  • Knötchen am After/Fremdkörpergefühl oder das Gefühl unvollständiger Entleerung.
  • Blutungen; etwas hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier oder in der Unterwäsche

Als Erstes würden wir eine Basistherapie zur Behandlung der Hämorrhoiden empfehlen.

Basistherapie Hämorrhoiden-Leiden:

  • Stuhlregulation z.B. mit Flohsamenschalen (z.B. Metamucil®):
    2 Teelöffel mit 4 dl Wasser pro Tag. Vor Einnahme vorquellen lassen! Bei Bedarf zusätzlich stimulierendes Abführmittel mit z.B. Laxoberon®-Tropfen: 5-15 Tropfen zusammen mit Metamucil®
  • Salben und Zäpfchen, z.B. Procto-Glyvenol®: 1-2 mal täglich

Falls es bei Euch durch die Basistherapie nicht zu einer Beschwerdelinderung kommt, setzen wir nachfolgende operative Verfahren zur Behandlung der Hämorrhoiden ein. All diese Eingriffe können ambulant durchgeführt werden.

Operative Therapien bei vergrößerten Hämorrhoiden:

  • Abbinden der vergrösserten Hämorrhoiden: Gummibandligaturen
  • Verödung der vergrösserten Hämorrhoiden: Rafaelo®-Therapie mittels Radiofrequenzablation. Eignet sich für alle Stadien der Hämorrhoiden
    Bei der Rafaelo®-Therapie kommt es sofort zu einem sichtbaren Schrumpfungsprozess. Das abgestorbene Gewebe löst sich nach ca. 10-14 Tagen von selbst ab und wird ausgeschieden. Rund zwei Stunden halten sich die Patienten dafür in der Klinik auf — der eigentliche Eingriff dauert nur etwa 15 Minuten und kann in einer Iokalen Betäubung durchgeführt werden.
  • Operative Entfernung einzelner vergrösserter Knoten (Ferguson oder Milligan-Morgan)
  • Maschinelles Entfernen von zirkularen vergrösserten Hämorrhoiden (Longo-Operation)

Nach jedem Hämorrhoiden-Eingriff entsteht ein unangenehmes Druckgefühl im Afterbereich, welches allerdings nach ca. einer Woche nachlässt. Auch verspüren viele zu behandelnde Personen nach dem Eingriff oft Stuhldrang, was ebenfalls nach etwa sieben Tagen aufhören wird.

Die Schmerzen nach der Operation sind sehr vom gewählten Verfahren abhängig. Hier sollte vor dem Eingriff eine ausführliche Beratung durch ProktologInnen erfolgen.

Häufige oder ständige Verstopfungen können aber auch zu sehr schmerzhaften Rissen in der Schleimhaut des Afters (Anal-Fissuren) führen.

Die Analfissur

Risse im Bereich des Analkanals und des Afters sind in der Regel akute und extrem schmerzhafte Ereignisse. Auslöser ist zumeist harter Stuhlgang und damit bedingtes starkes Pressen bei der Stuhlentleerung. Auch Durchfall kann zum Einreissen der Haut am After führen. Die meisten Analfissuren sind Richtung Steissbein lokalisiert.

Der regelmässig wiederkehrende Schmerz führt zu einer Verkrampfung des Schliessmuskels. Dieser Schmerz kann über Stunden anhalten. Die Verkrampfung des Schliessmuskels verhindert wiederum ein Abheilen des Risses. Es entsteht ein Teufelskreis aus Schmerz und Verspannung.

Analfissur — Symptome:

  • starke Schmerzen während und vor allem nach der Stuhlentleerung
  • (starke) Blutungen während und auch nach der Stuhlentleerung
  • Verkrampfungen des Schliessmuskels mit stundenlangen Schmerzen

Solltet Ihr eines oder mehrere dieser untenstehenden Symptome haben, leidet Ihr möglicherweise an einer Analfissur. Sobald bei Euch eine Analfissur nachgewiesen wurde, wird als Erstes eine Basistherapie eingeleitet.

Analfissur — Basistherapie:

  • Stuhlregulation z.B. mit Flohsamenschalen (z.B. Metamucil®):
  • 2 Teelöffel mit 4 dl Wasser pro Tag. Vor Einnahme vorquellen lassen!
    Bei Bedarf zusätzlich stimulierendes Abführmittel mit z.B. Laxoberon®-Tropfen: 5-15 Tropfen zusammen mit Metamucil®
  • Schmerzmittel mit z.B. Dafalgan® und Novalgin®
  • lokalbetäubende Salbe, z.B. Xylocaïn®
  • durchblutungsfördernde Salbe, z.B. Nifedipin® in Excipial®
    4-6 mal täglich für 4-6 Wochen

Falls es trotz der Basistherapie innerhalb von sechs Wochen nicht zu einer Ausheilung der Analfissur kommt, wird ein operatives Verfahren notwendig.

Analfissur – Operative Therapien:

  • Anfrischung der Analfissur in einer Narkose. Dabei entsteht aus einer chronischen Wunde wieder eine frische Wunde, welche die bessere Heilungstendenz aufweist. Dieser Eingriff kann ambulant durchgeführt werden.
  • Einspritzen von Botulinum-Toxin® in den Schliessmuskel, was zu einer vorübergehenden Drucksenkung des Schliessmuskels führt, wodurch die Durchblutung im Bereich der Analfissur steigt, so dass diese ausheilen kann. Dieses Einspritzen findet immer zusammen mit der Anfrischung der Analfissur statt. Dieser Eingriff kann ambulant durchgeführt werden.
  • VY-Lappenplastik: Die Analfissur wird ausgeschnitten und ein Stück Haut des Afters wird in den Defekt eingenäht. Wir kombinieren diesen Eingriff immer mit einer Botulinum-Toxin®-Einspritzung in den Schliessmuskel. Für diesen Eingriff bleibst du etwa 5 Tage im Spital.

Häufige oder ständige Verstopfungen können zu schmerzhaften Blutgerinnseln in den Venen im Afterbereich (Perianalvenenthrombosen) führen.

Die Perianalvenenthrombose

Bei Blutgerinnseln in den Venen des Afterbereichs handelt es sich um eine der häufigsten akuten Veränderung am After.

Meist sind Reizungen des Afters, beispielsweise durch Pressen bei Verstopfung, durch Durchfall oder durch intensive Putzmaßnahmen ursächlich. Im Rahmen von Schwangerschaften und Geburten treten Perianalvenenthrombosen sehr häufig auf.

Perianalvenenthrombosen sind in der Regel harmlos und bilden sich meist nach ca. 1-2 Wochen zurück. Anfangs kann es jedoch zu erheblichen Schmerzen und auch zu gelegentlichen Blutungen kommen.

Sollten bei Euch plötzlich Schmerzen und eine Schwellung im Afterbereich auftreten, leidet Ihr womöglich an einer Perianalvenenthrombose.

Perianalvenenthrombose — Symptome:

  • plötzlich auftretende tastbare kugelige Anschwellung am After
  • (starke) Schmerzen, die ebenfalls meist schlagartig auftreten
  • Blutungen

Da oft eine Verstopfung die Ursache für eine Perianalvenenthrombose ist, empfehlen wir euch eine Basistherapie.

Perianalvenenthrombose — Basistherapie:

  • Schmerzmittel mit z.B. Dafalgan® und Novalgin®
  • Stuhlregulation mit z.B. Flohsamenschalen (z.B. Metamucil®): 2 Teelöffel mit 4 dl Wasser pro Tag. Vor Einnahme vorquellen lassen! Bei Bedarf zusätzlich stimulierendes Abführmittel mit z.B. Laxoberon®-Tropfen: 5-15 Tropfen zusammen mit Metamucil®/li>
  • lokalbetäubende Salbe z.B. Xylocaïn®

Perianalvenenthrombose – Ein kleiner operativer Eingriff:

Falls ihr euch innerhalb der ersten Tage nach Auftreten der Perianalvenenthrombose beim Proktologen vorstellt, kann das kleine Blutgerinnsel in einer örtlichen Betäubung entfernt werden. Dies führt schlagartig zu einer Schmerzlinderung. Dieser Eingriff werden wir bei euch ambulant durchführen und ihr seid lediglich 1-2 Tage arbeitsunfähig.

Dr. Georg Liesch (Leitender Arzt in der chirurgischen Abteilung im Spital Männedorf und Spezialist für Erkrankungen des Afters und Analkanals) für Adipositas Zürich

 

 

 

 

 

 

 

 

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