Der Magenballon – Therapieoption oder Luftnummer?

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Auch auf Adipositas Zürich erreichen uns in letzter Zeit immer mehr Anfragen zum Thema „Magenballon“ und in unserem Adipositaszentrum haben wir uns sehr intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Sicher klingt die Behandlungsoption für viele übergewichtige Patienten und Patientinnen zunächst sehr interessant, wird der Ballon doch durch einen kleinen endoskopischen Eingriff im Magen implementiert und dann mit Kochsalzlösung gefüllt. Auch die Entfernung des Ballons erfolgt nach 6 oder 12 Monaten auf gleichem Wege.

Die Befürworter dieser Methode führen immer wieder die gleichen Vorteile an:

  • Es handelt sich nicht um eine Operation und die Methode ist jederzeit reversibel, weil weder die Magengröße verändert wird noch im Bereich der Darmpassage „einschneidende Maßnahmen“ durch den Chirurgen durchgeführt werden.
  • Im Falle von Komplikationen kann der Ballon schnell wieder entfernt werden.
  • Durch die Einbringung des Ballons können die Patienten und Patientinnen deutlich weniger essen und es erfolgt ein erheblicher Gewichtsverlust während der Tragezeit.

Dabei werden unseres Erachtens einige wichtige negative Faktoren außer Acht gelassen, die jedoch für viele Adipositaspatienten und Adipositaspatientinnen nicht zu unterschätzen sind.

  • Diese Methode wird nicht von den Krankenkassen übernommen und ist auch nicht wirklich günstig (in der Schweiz belaufen sich die Kosten für die Implementierung und Entfernung des Ballons je nach Modell auf 4.000 bis 6.500 SFR).
  • Auch der Ballon hat gewisse Nebenwirkungen oder kann Komplikationen verursachen. So beschweren sich viele Patienten und Patientinnen immer wieder über starke Rückenschmerzen, Übelkeit und Sodbrennen. Auch kann der Ballon undicht werden (insbesondere im Bereich des Ventils) und muss frühzeitig entfernt werden.

Wir von Adipositas Zürich stehen dieser Methode insbesondere für unsere stark adipösen Patienten und Patientinnen eher kritisch gegenüber. Dies liegt insbesondere an unseren Praxiserfahrungen, die dokumentiert haben, dass viele dieser Personen nach der Entfernung des Ballons schnell wieder an Gewicht zulegen.

Auch hat diese Methode keinen nachhaltigen therapeutischen Nutzen bei der Therapie der sogenannten Begleit- und Folgeerkrankungen, insbesondere der metabolischen Erkrankungen.

Dennoch entwickelt sich auch diese Methode weiter und die betrifft sowohl die Tragezeit als auch die individuelle Justierbarkeit des Ballons. Konnte der Ballon früher nur 6 Monate im Magen verbleiben, so gibt es heute Modelle, die 12 oder sogar 18 Monate im Magen verbleiben können. Auch können einzelne Modelle mittlerweile während der Implementierungszeit in der Füllmenge justiert werden. Das bedeutet, dass das Füllvolumen vergrößert oder reduziert werden kann.

Ob die Methode für euch geeignet ist, wird in unserem Zentrum in einem ausführlichen und persönlichen Gespräch geklärt.

Für einige Menschen mit einem nur leicht erhöhten BMI kann dies eine Therapieoption dann darstellen, wenn es gelingt, während der Tragezeit die Ernährungs– und Bewegungsweise deutlich zu optimieren und diese Strategie auch nach der Entfernung des Magenballons fortzuführen.

Bei stark adipösen Patienten und Patientinnen stehen wir dem therapeutischen Nutzen jedoch sehr skeptisch gegenüber, da Adipositas eine chronische Erkrankung ist, die eine lebenslange Therapie erfordert.

Ähnliches gilt übrigens auch für den Einsatz des sogenannten Magenbandes. Hier hat sich in der Praxis ebenfalls gezeigt, dass, wenn das Band entfernt wurde, der erzielte therapeutische Nutzen während der Implementation relativ zeitnah wieder schwindet.

Gerne könnt ihr uns kontaktieren und wir werden euch in einem ausführlichen persönlichen Gespräch über die unterschiedlichen Ballonmethoden informieren. Außerdem werden wir nach ausführlichen Untersuchungen und einer genauen Anamnese eine individuelle Therapiestrategie entwickeln, die eure ganz persönliche und gesundheitliche Situation berücksichtigt.

Euer Marco Bueter

 

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