Hilfe, ich nehme nicht ab, obwohl ich viel Sport treibe und mich gesund ernähre?

Es gibt sie wirklich, die Menschen, die Diät halten, viel Sport treiben und trotzdem kein Gramm verlieren. Verschiedene Störungen können bei einer geringen Ansprache auf ein Gewichtsreduktionsprogramm ursächlich sein.

Reduktion im Energiestoffwechsel

Bei etwa 10 % unserer schwer übergewichtigen Patienten und Patientinnen finden wir eine Reduktion im Energiestoffwechsel. Man kann die Energieverbrennung eines Menschen mittels indirekter Kalorimetrie messen. Bei dieser Untersuchungsmethode werden die Abgabe von Kohlendioxid und die Aufnahme von Sauerstoff gemessen. Daraus lässt sich dann der Energieverbrauch in Ruhe für einen Menschen berechnen. Eine Verminderung des Energieverbrauchs um mehr als 20 % ist bedeutend und kann tatsächlich eine Gewichtsabnahme behindern.

Häufig sind diese Reduktionen im Energieverbrauch erworben. Das bedeutet, dass durch Reduktion der Muskulatur (oft das Resultat von drastischen Abnehm-Methoden) der Energieumsatz in Ruhe so gering ist, dass ein Defizit im Energiestoffwechsel nicht erreicht werden kann.
Leider können die Betroffenen dann nur noch durch ein sehr spezielles Programm Gewicht verlieren. Im Zentrum dieses Programms steht ein Muskel-bezogenes Training, denn Ausdauertraining führt nicht zu einer Steigerung der Muskelmasse. Gleichzeitig sollte die Eiweißzufuhr erhöht werden. Erst wenn dieses Programm abgearbeitet ist, kann ein wirkliches Gewichtsreduktionsprogramm gestartet werden.

Sehr selten kann diese Reduktion im Energiestoffwechsel auch angeboren sein, hier sieht man dann nicht nur eine Reduktion des Energiestoffwechsels in Ruhe auf die Gesamtkörpermasse bezogen, sondern auch auf die Magermasse bezogen. Dies sind sogenannte sparsame Energieverbraucher. Das bedeutet, ein solcher Mensch kommt mit sehr wenig Energie aus.

Probleme mit der Schilddrüse und mit Medikamenten

Weiterhin müssen natürlich auch Probleme mit der Schilddrüse und mit Medikamenten in Betracht gezogen werden. Der Konsum von Psychopharmaka in unserer Gesellschaft ist enorm hoch. Viele Menschen wissen nicht, dass vor allem auch Antidepressiva zu einer deutlichen Gewichtszunahme führen können. Neben diesen Medikamenten können auch eine ganze Reihe anderer Medikamente, zum Beispiel auch Herz-Kreislauf-Medikamente, die Gewichtsabnahme erschweren.

Negativer Stress

Wesentlich unterschätzt wird bei der ganzen Angelegenheit der Stress-Faktor. Negativer Stress verhindert die Gewichtsabnahme und zu viel Sport, wie auch das ständige Beschäftigen mit Nahrung, Essen und Ess-Vermeidung kann massiven Stress erzeugen. Hier ist dann weniger tatsächlich mehr bzw. führt mehr Essen und weniger Sport zur Gewichtsabnahme.

Neue Studien haben zudem gezeigt, dass Schlafmangel ein weiterer wichtiger Faktor ist, welcher eine Gewichtsabnahme verhindern kann. Mehr als 7 Stunden Schlaf und weniger als 5 Stunden Schlaf korrelieren mit höherem Gewicht. Auch Menschen, welche anti-rhythmisch leben (Schicht- und Nachtarbeit), haben es deutlich schwerer, Gewicht zu verlieren. Diese Menschen benötigen für die Gewichtsreduktion keine Ernährungsberatung oder Sporttherapie, sondern Stressmanagement- oder Zeitorganisationskurse.

Von Dr. med. Susanne Maurer – Leiterin Adimed–Zentrum für Adipositas- und Stoffwechselmedizin Winterthur.

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