Urlaubstipps für Adipositaspatienten und -patientinnen nach einer Schlauchmagen- oder Magenbypassoperation

Die Urlaubszeit ist für viele von uns die wohl schönste Zeit des Jahres. Dabei stellen die steigenden Temperaturen, hier bei uns und in vielen Zielen im Süden, besonders übergewichtige Menschen vor Herausforderungen. Mit diesem Artikel wollen wir euch Informationen an die Hand geben, die helfen können, diese Zeit entspannt und ohne Komplikationen zu genießen.

Frage 1: Wann kann man nach einer Magenbypass– oder Schlauchmagenoperation in den Urlaub fliegen?

Meistens empfehle ich den Patienten und Patientinnen, mindestens 2-3 Wochen im gewohnten, häuslichen Umfeld zu bleiben, um im Falle von unerwarteten Komplikationen “vor Ort” zu sein. Grundsätzlich muss man allerdings sagen, dass es auch hier (wie so oft) keine klaren Richtlinien gibt, an die man sich halten kann. Letztendlich sollten sicher verschiedene Faktoren mit in die Entscheidung einbezogen werden, z.B. Urlaubsort, Art der Operation, Heilungsverlauf, eigenes Wohlbefinden.

Frage 2: Wie sollten sich Schlauchmagen- oder Bypass-Patienten und Patientinnen verhalten, wenn es im Urlaubsland zu gesundheitlichen Problemen kommt? Wie sollten sich diese Patienten und Patientinnen auf den Urlaub vorbereiten?

Sicherlich ist es empfehlenswert, sich bereits im Vorfeld einige Gedanken zu machen und die Überlegungen z.B. auch bei der Wahl des Urlaubsortes zu berücksichtigen. Ideal wäre es z.B., wenn man im Voraus ein Krankenhaus oder Spital in der Nähe des Urlaubsortes identifiziert hat, das über eine entsprechende Erfahrung in der Behandlung und Betreuung bariatrischer Patienten und Patientinnen verfügt. Hier kann das Internet sehr hilfreich sein. Auch in vielen Urlaubsländern gibt es Mediziner und Medizinerinnen, die operierten Adipositaspatienten und -patientinnen hilfreich und kompetent zur Seite stehen.

Diese Einschränkungen werden aber immer weniger wichtig, je länger der Eingriff zurückliegt. Jemand, dessen Operation erst 6 Woche zurückliegt, hat wahrscheinlich andere Bedürfnisse als jemand, bei dem der Eingriff vor 10 Jahren durchgeführt wurde.

Frage 3: Was ist das richtige Verhalten bei möglichen Problemen?

Grundsätzlich gilt: Es ist besser, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen und auf Nummer sicherzugehen, als ein unnötiges Risiko in Kauf zu nehmen. Beim Arztbesuch sollte zudem frühzeitig darauf hingewiesen werden, dass ein bariatrischer Eingriff durchgeführt worden ist. Auch die Kontaktdaten eures betreuenden Chirurgen oder Chirurgin solltet ihr immer bei euch haben. Zum einen, um sich im Bedarfsfall beraten lassen zu können, aber auch, um den behandelnden Ärzten und Ärztinnen im Urlaubsort die Gelegenheit geben zu können, sich mit den Ärzten und Ärztinnen zuhause in Verbindung zu setzen, um sich über wichtige medizinische Details erkundigen zu können.

Frage 4: Allgemeine Tipps bei Reisedurchfall

Sollten allgemeine Symptome wie Übelkeit, Durchfall oder Bauchweh auftreten, gelten für alle Patienten und Patientinnen mit oder ohne Bypassoperation zunächst die gleichen Regeln für Erstmaßnahmen in Eigenregie. Schließlich kann man auch nach einer Bypassoperation an einer ganz gewöhnlichen Magen-Darm-Infektion erkranken. Folgende Regeln gelten auch besonders für Urlaubsorte in südlicheren Breitengraden, wie z.B. Mittel- und Südamerika, Afrika, Indien und Südostasien. Als vorbeugende Maßnahmen ist es sinnvoll, folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • “Cook it, peel it or forget it !” (Zu Deutsch: Koche es, schäle es oder vergiss es.) An diesen Spruch solltet ihr euch halten. Schält euer Obst. Vermeidet Salate, rohes Gemüse, kalte Dips, Mayonnaise und jegliches Obst, das man nicht schälen kann. Tabu sind auch Eis, Pudding sowie rohe Fleisch- oder Fischspeisen.
  • Trinkt unter keinen Umständen Leitungswasser. Benutzt stattdessen industriell hergestelltes Trinkwasser aus original verschlossenen Flaschen (wie z.B. Evian).
  • Gebt keine Eiswürfel in Getränke.
  • Putzt die Zähne nicht mit Leitungswasser, sondern mit abgepacktem Trinkwasser.
  • Häufig Hände waschen. Reinigt nach der Toilette sowie vor dem Essen gründlich die Hände mit Wasser und Seife.
  • Zur Schmerztherapie sind wie zuhause auch Paracetamol und Novalgin erlaubt, in jeder Darreichungsform (Zäpfchen, Tabletten und Tropfen). Auf sogenannte nichtsteroidale Analgetika (z.B. Voltaren, Ibuprofen) sollte nach Möglichkeit auch im Urlaub verzichtet werden.

Adipositas Zürich wünscht euch einen entspannten und gesunden Urlaub und hofft, dass auch das Wetter mitspielt ;-)

Prof. Marco Bueter und Faris Abu-Naaj mit wichtigen Infos und Tipps für die schönste Zeit des Jahres.

 

 

 

 

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