Die Frage „Welche Magen-Operation soll ich auswählen?“ ist nicht so einfach zu beantworten und muss aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden. Auch ist die Frage nach der Wahl des operativen Verfahrens weiterhin Gegenstand aktueller Studien. Es gibt jedoch gute Gründe für das eine oder andere Verfahren, die wir Dir hier vorstellen wollen.

Magen-Operation auswählen: Schlauchmagen oder Magenbypass?

Die weltweit am häufigsten durchgeführten Operationen zur Behandlung der Adipositas sind der Schlauchmagen und der Magenbypass. Und dies aus guten Gründen. Neben weiteren Verfahren haben sich diese beiden Methoden als sehr effektive und dabei auch sichere Operationsverfahren bewährt. Zudem sind zu diesen Verfahren die meisten Daten wissenschaftlich ausgewertet und analysiert worden, sodass wir mit Magenbypass- und Schlauchmagen-Operationen die meisten Erfahrungen sammeln konnten. Der Unterschied zwischen Magenbypass und Schlauchmagen liegt natürlich in der Art der Operation. Während der Schlauchmagen eine schlauchförmige Verkleinerung des Magens ist, ohne dabei die Passage der Nahrung durch den Magendarmtrakt zu verändern, wird beim Magenbypass der Magen kurz nach der Speiseröhre zwar durchtrennt, aber verbleibt als Restmagen im Körper. Dadurch entsteht ein kleiner Vormagen, an den ein Teil des Dünndarms angehängt wird. Die Nahrung wird so am Grossteil des Magens vorbei direkt in den Dünndarm geleitet. Beim Schlauchmagen wird der Magen auf ca. 20 % seiner ursprünglichen Grösse verkleinert. Der abgetrennte Magenteil wird vollständig aus dem Körper entfernt.
Zusammengefasst beinhalten zwar beide Verfahren eine Magenverkleinerung, jedoch wird zusätzlich beim Magenbypass die Nahrungspassage so verändert, dass die Nahrung nur sehr langsam über den Darm aufgenommen werden kann. Bei Schlauchmagen- oder Magenbypass-OP wird der Magen jeweils so verkleinert, dass nur noch wenige Bissen der Mahlzeit gegessen werden können. Beim Magenbypass bewirkt die veränderte Magenpassage darüber hinaus aber eine verminderte Aufnahmekapazität der zugeführten Kalorien.
Beide Verfahren sind in ihrer Wirksamkeit des Gewichtsverlustes gleichwertig. Jedoch ist der Magenbypass effektiver bei Patienten mit einer vorbestehenden Blutzuckerkrankheit. Diese wird durch den Schlauchmagen auch, aber eben nicht so effizient wie durch den Magenbypass, beeinflusst.
Eine weitere Vorerkrankung sollte unbedingt in die Bewertung der Verfahrenswahl berücksichtigt werden. Leidest Du an häufigem Sodbrennen oder saurem Aufstossen von Magensäure in die Speiseröhre, so sollte bei Dir keine Schlauchmagen-Operation durchgeführt werden. Bei dieser Operation wird Nahe am Übergang von Speiseröhre zum Magen der Magen abgesetzt. Dadurch wird aber der Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen beschädigt, sodass vermehrt Magensäure in die Speiseröhre fliessen kann. Bei Patienten mit vorbestehender Refluxkrankheit wird diese dadurch nochmals verstärkt, was dann zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führen kann. Diesen Patienten sollte man zur Durchführung einer Magenbypass-Operation raten.
Aber auch nicht bei jedem Patienten kann eine Magenbypass-Operation durchgeführt werden. Bei Patienten mit Voroperationen in der Bauchhöhle kann es im Anschluss zu Verwachsungen zwischen den Darmschlingen gekommen sein. Diese können so ausgedehnt sein, dass der Dünndarm nicht bis zu dem Vormagen gezogen werden kann. Bei solchen Patienten muss dann gegebenenfalls eine Schlauchmagen-Operation durchgeführt werden.
Diese Beispiele von Magenbypass oder Magenverkleinerung veranschaulichen, dass nicht nur die Vorliebe des Patienten für eine Operation, sondern viele andere Faktoren auf die Verfahrenswahl Einfluss haben und vor Durchführung einer Adipositaschirurgie berücksichtigt werden sollten.

Magen-Operation auswählen: Magenbypass oder Magenband?

Das Magenband war vor allem im vorletzten Jahrzehnt das bestimmende Verfahren in der Behandlung der Adipositas. Bei der Magenband-OP wird ein Plastikring mit innen liegendem Silikonschlauch um den oberen Magenanteil gelegt. Über einen dünnen Schlauch ist das Magenband mit einer Kammer, welche unter die Haut der Bauchdecke implantiert wird, verbunden. Durch Befüllen der Kammer mit einer Spritze kann der Durchmesser des Magenbandes reguliert und der Magen entsprechend mehr oder weniger eingeengt werden.
Im Vergleich zum Magenbypass ist die Anlage eines Magenbands deutlich weniger invasiv. Das ist aber zwischen Magenbypass und Magenband nicht der einzige Unterschied. Während sowohl bei Magenband als auch beim Magenbypass ein Vormagen gebildet wird, wird die Nahrungspassage nur beim Magenbypass verändert.
Des Weiteren kann bei der Magenbypass-OP auf die Implantation eines Fremdkörpers verzichtet werden. Und dieser Fremdkörper ist meistens auch das Problem der Magenband-OP. Der Plastikring kann durch die Eigenbewegung des Magens seine Position ändern. Dies kann zu Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen, bis hin zur Unmöglichkeit der Nahrungsaufnahme. Das Magenband kann im Extremfall durch Vernarbung die Magenwand durchwandern und vollständig in dem Magen zu liegen kommen. Diese Veränderungen finden leider häufig statt, sodass das Magenband aufgrund der Beschwerden häufig wieder entfernt werden muss. In einem solchen Fall kann in der Regel in der gleichen Narkose eine Magenbypass-OP durchgeführt werden. Entsprechend ist bei starker Adipositas der Magenbypass die Operation der Wahl.

Magen-Operation auswählen: Magenband oder Magenverkleinerung?

Grundsätzlich ist bei der Frage Magenband oder Magenverkleinerung zu beachten, dass die Magenverkleinerung zwar das invasivere Verfahren, aber eben auch das effektivere Verfahren ist. Eine Magenverkleinerung wird sowohl beim Schlauchmagen als auch beim Magenbypass durchgeführt. Auch die biliopankreatische Diversion beinhaltet eine Magenverkleinerung. Das Magenband engt den Magen gürtelförmig ein, sodass ebenfalls eine Verkleinerung des Magenvolumens entsteht. Jedoch ist dieser einengende Effekt häufig nur temporär, da das Magenband als Fremdkörper von vielen Patienten schlecht toleriert wird oder eben Komplikationen machen kann. Aus diesem Grund muss das Magenband häufig wieder entfernt werden. Eine Magenverkleinerung oder ein Magenband sind also sehr unterschiedliche Verfahren. Unsere Empfehlung zur effektiven Gewichtsbekämpfung liegt daher bei den echten Magenverkleinerungen.

Magen-Operation auswählen: Schlauchmagen oder Magenband?

Auch bei der Frage Schlauchmagen oder Magenband werden zwei Verfahren verglichen, welche zwar mit der Einschränkung der aufnehmbaren Nahrungsmenge den gleichen Effekt ausnutzen, aber doch sehr unterschiedliche Verfahren sind. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Magenband zwar weniger invasiv ist, jedoch deutlich weniger effektiv zur Gewichtsreduktion beiträgt und häufig nach einer gewissen Zeit wieder entfernt werden muss. Der Schlauchmagen ist zwar ein Verfahren, bei dem ein Teil des Magens vollständig entfernt wird, dafür ist er bezüglich der Therapie des Übergewichts sehr viel effektiver und nachhaltiger.
Für uns stellt sich daher viel häufiger die Frage, ob eine Magenbypass- oder eine Schlauchmagen-Operation durchgeführt werden soll.

Magen-Operation auswählen: Magenband oder Magenballon?

Die Magenballon-OP ist keine Operation im eigentlichen Sinne. Der Eingriff erfolgt im Rahmen einer Magenspieglung. Dabei wird ein Schlauch (Endoskop) mit einer Kamera an der Spitze über den Mund und die Speiseröhre in den Magen vorgeschoben. Durch die Kamera kann nun der Magen eingesehen werden. Es wird dann mit dem Endoskop der Magenballon in nicht gefülltem Zustand durch den Mund in den Magen vorgeschoben. Im Magen wird der Ballon dann mit einer blauen sogenannten Indikatorflüssigkeit aufgefüllt. Durch die Befüllung wird das Volumen des Magens deutlich verringert und in der Folge hat man ein deutliches Sättigungsgefühl. Bei der Frage Magenband oder Magenballon tendieren wir klar zum Magenband. Der Magenballon muss zwingend nach spätestens 6 Monaten wieder entfernt werden, da er sonst zu sehr von der Magensäure angegriffen wird. Ein Platzen des Ballons im Magen sollte verhindert werden, da dadurch ein Darmverschluss resultieren kann. Die Kosten des Magenballons werden hier in der Schweiz nicht durch die Krankenkasse ersetzt. Durch die begrenzte Einsatzzeit kann ein dauerhafter Gewichtsverlust nur durch hohe Kosten (für jede neue Einlage des Ballons) erkauft werden. Das Magenband ist zwar ebenfalls nicht arm an Komplikationen, jedoch für eine längerfristige Therapie der Adipositas dem Magenballon deutlich überlegen.

Möchtest Du mehr wissen?
So nimmst Du mit uns Kontakt auf

Solltest Du Dich mit dem Gedanken auseinandersetzen, eine bariatrische Operation durchführen zu lassen, so freuen wir uns, Dich für weitere Informationen in unserem Adipositaszentrum zu empfangen.

 

2 Kommentare
  1. Alina Baumann
    Alina Baumann sagte:

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag Magen-Operationen. Mir war nicht bewusst, dass die Magen- und Darmchirurgie so breit gefächert ist. Besonders Magenband und Magenverkleinerung finde ich sehr interessant.

    Antworten
    • Faris Abu-Naaj
      Faris Abu-Naaj sagte:

      Liebe Alina, im Bereich der bariatrischen Chirurgie gab es einige interessante Entwicklungen. Dies betrifft nicht nur das erweiterte Spektrum an OP Methoden sondern auch die Optimierung einzelner OP Verfahren. So hat die so genannte Minimalinvasive Chirurgie (Schlüssellochchirurgie) erhebliche Vorteile für die Patienten und reduziert die Komplikationsrate. Dennoch birgt ein solcher Eingriff auch immer noch gewisse Risiken und muss auch immer der gesundheitlichen und Lebenssituation des einzelnen Patienten angepasst werden. Nicht jeder Patient ist für so einen Eingriff geeignet und dies sollte ausführlich mit den Ärzten besprechen werden. Viele Grüße

      Antworten

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.